Freilaufkatze oder Stubentiger? Eine Entscheidung, die gut durchdacht sein sollte

Letztens habe ich mitbekommen, wie mein Frauchen sich über diesen Knochen am Ohr mit ihrer Freundin über deren Katze unterhalten hat. Sie redete ganz behutsam und tröstend auf sie ein. Und als sie den Knochen weg legte kam sie zur mir, streichelte mich und ihr lief eine Träne über die Wange. Da war mir klar: Die Katze ihrer Freundin hatte die Regenbogenbrücke überqueren müssen. Später habe ich dann auch den Grund dafür erfahren, denn die Freundin von meinem Frauchen wohnt an einer stark befahrenen Straße und ihre Katze hat regelmäßig draußen ihr Revier unsicher gemacht. Wusstet ihr, dass die häufigste Todesursache bei uns Katzen Verkehrsunfälle sind?

Grundsätzlich entspricht es natürlich unserer Natur, draußen die Gegend zu erkunden und jagen zu gehen. Wir sind selbstständig und gerne frei! Fakt ist jedoch, dass Freigänger im Schnitt eine kürzere Lebenserwartung haben und es draußen extrem viele Gefahren für uns gibt. Wenn ihr euch also dazu entscheidet, uns rauszulassen, solltet ihr einige Punkte beachten und euch der möglichen Risiken bewusst sein: Denn selbst wenn ihr an schwach befahrenen Straßen wohnt, bleibt vor allem der Straßenverkehr für uns lebensgefährlich. Während unserer Streifzüge legen wir häufig viele km zurück und überqueren dabei nicht selten auch vielbefahrene Straßen. Ein wenig Sicherheit könnt ihr durch spezielle Reflektoren oder Leuchthalsbänder schaffen. Aber Vorsicht! Achtet dabei darauf, dass wir damit nicht irgendwo hängen bleiben oder uns verletzen können. 

Besonders in eng besiedelten Wohngebieten kommt es unter Freigänger-Katzen oft auch zu Revierkämpfen. Sie können zu Verletzungen und zu der Übertragung von gemeingefährlichen Krankheiten führen. Auch Parasiten lauern draußen quasi an jeder Ecke. Ein sicherer Parasitenschutz mit wirksamen Mitteln sowie regelmäßige Entwurmungen und Impfungen sind für Katzen mit Freigang ein Muss!

Also lieber gar nicht das Haus verlassen und immer nur drinnen sein? Für viele von uns ist das trotz der Gefahren, die draußen lauern, keine gute Lösung. Denn die Nachteile der Freigänger-Katzen sind die Vorteile der Wohnungskatzen und andersherum. Auch wenn Wohnungskatzen generell ein sichereres Leben führen, ist ihr Leben häufig langweiliger und nicht jede Samtpfote kann auf Dauer drinnen glücklich werden. Langeweile ist für uns Katzen schrecklich! Für Wohnungskatzen gilt also: Beschäftigung, Beschäftigung, Beschäftigung! Uns nur Spielzeug anzubieten, reicht da nicht aus. Ihr Menschen solltet euch mindestens eine Stunde am Tag intensiv mit eurer Wohnungskatze beschäftigen und ihr hinreichend Spiel-, Versteck- und Klettermöglichkeiten bieten. Wenn wir nicht genügend ausgelastet sind, werden wir übergewichtig, beschäftigen uns selbst (meist auf eine Weise, die euch ganz und gar nicht gefällt) oder werden verhaltensauffällig. Deshalb ist es meistens sinnvoll, zwei von uns bei euch aufzunehmen. Denn wenn ihr eine reine Wohnungskatze ohne Artgenossen bei euch haltet, ist das ungefähr so, als würde man euch auf einer einsamen Insel aussetzen, wo ihr bis an euer Lebensende nie wieder mit einem anderen Menschen Kontakt habt. Da würdet ihr doch auch durchdrehen, oder? Auf Impfungen und regelmäßige Parasitenvorsorge dürft ihr übrigens trotzdem nicht ganz verzichten, denn ihr könnt an Euren Schuhen oder Taschen Krankheitserreger oder sogar Wurmeier in die Wohnung tragen, die für euren Stubentiger gefährlich werden können.

Die Entscheidung ob Freigänger oder Wohnungskatze trefft im Endeffekt natürlich immer ihr. Aber bitte habt ein Auge darauf, was eure Samtpfoten wirklich brauchen. PS: Auch euer aufmerksames Autofahren kann uns oft das Leben retten!